Nach welchem Konzept unterrichtet unsere freie Schule?
Wir machen eine Schule auf der Grundlage der Waldorfpädagogik. Unser Lehrkonzept will einer oft unterstellten Realitätsferne traditioneller Waldorfschulen entgegenwirken.
Welche Kinder werden an unserer Schule aufgenommen?
Die Christian Morgenstern Schule steht grundsätzlich allen Kindern offen — unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Nach ausführlichen Informationselternabenden findet ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Auch in höheren Klassen können Schüler später als Quereinsteiger aufgenommen werden.
Was hat Rudolf Steiner mit der Waldorfpädagogik zu tun?
Rudolf Steiner gründete 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt aus, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, der eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einrichten wollte. Viele bewährte Inhalte und Methoden unserer Pädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Lehren über die Kinder und Jugendlichen. Seine Erkenntnisse fanden auch Eingang in die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst.
Warum heißen wir Christian Morgenstern Schule?
Der Schriftsteller, Dichter und Übersetzer Christian Morgenstern (1871-1914) war in den letzten fünf Jahren seines knapp 43jährigen Lebens Weggenosse Rudolf Steiners. Er folgte diesem regelmäßig zu dessen Vorträgen, war Mitglied der "Anthroposophischen Gesellschaft" und schlug Rudolf Steiner in einem (nicht abgeschickten) Brief für den Friedensnobelpreis vor. Christian Morgensterns Urne wird im Goetheanum in Dornach aufbewahrt.
Sind nur musisch begabte Kinder für unsere Schule geeignet?
Nein, die Schule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Wenn die Schüler malen, zeichnen, plastizieren oder bildhauern, geht es dabei nicht so sehr um das Ergebnis, als vielmehr um den gestalterischen Prozess. An diesem Prozess üben die Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl von Fähigkeiten ein, die über das rein künstlerische Gestalten hinausgehen. Die Lehrer sind bestrebt, den Verstand, die Kreativität und die Persönlichkeit ihrer Schüler gleichgewichtig zu entwickeln.
Gehen eher Kinder mit Lernproblemen auf unsere Schule?
Nein. An unserer Schule lernen Kinder aller Begabungsrichtungen, wie an den staatlichen Regelschulen auch, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale und handwerklich-künstlerische Fähigkeiten angesprochen werden.
Wie groß sind die Klassen der Christian Morgenstern Schule?
Die Christian Morgenstern Schule plant mit einer Klassenstärke von 25 Schülern. Es ist aber richtig, dass eine Klasse bis zu 30 Schüler stark sein kann. In vielen Fächern werden die Klassen allerdings in zwei Gruppen geteilt. Kinder, die sich in einem Fach leichter tun, helfen denen, die es schwerer haben. Den Schülern, die ganz besonders rasch auffassen, geben die Lehrer schwierigere Zusatzaufgaben. In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über 12 Schuljahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden mit- und voneinander lernen.
Stimmt es, dass es bei uns weder Noten noch Sitzenbleiben geben wird?
Auch wenn unsere freie Schule in der Unterstufe auf Noten verzichtet wird, korrigieren die Lehrer selbstverständlich alle Schülerarbeiten und geben den Schülern ein Zeugnis in Form einer Charakterisierung am Schuljahresende. Zusätzlich zu den Noten ab der Mittelstufe formulieren die Lehrer dann weiterhin individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen sie ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklung und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler ein. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schüler nach Möglichkeit selbst dann in einer festen Klassengemeinschaft, wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen. Niemand bleibt sitzen.
Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: Sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?
Der Unterricht ist auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler abgestimmt und möglichst lebensnah gestaltet. Initiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von Leistungsdruck, sondern wegen einer gesunden und ihnen eigenen Motivation.
Kommen die Schüler später denn überhaupt mit der harten Realität zurecht?
Das Vorurteil, Waldorfschulen gaukelten eine heile Welt vor, widerlegt die Praxis. Gerade Waldorfschüler/innen werden von Ausbildern besonders geschätzt. In einer Schule, die nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten anspricht, können sich Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln. Solche Schüler studieren und arbeiten erfolgreich in allen Berufsfeldern.
Welche Abschlüsse können an unserer Schule gemacht werden?
Die eigentliche Waldorfschulzeit endet unseren Zielen gemäß nach der 12. Klasse mit einem Waldorfabschluss. Danach können sich die Schüler in einem 13. Schuljahr auf das Abitur vorbereiten. Weil jedoch in Hamburg derzeit über eine Verlegung des Abiturs ans Ende der zwölften Klasse diskutiert wird, verhandeln wir gegenwärtig mit der Behörde für Bildung und Sport über die Einführung der Studienstufe in den Klassen 11 und 12. Zukünftig sollen für den Erwerb des Abiturs die gleichen Bedingungen wie an den Hamburger Integrierten Gesamtschulen gelten. In den Fächern Deutsch oder wahlweise Biologie sowie Mathematik und Englisch wird schriftlich zentral geprüft. Hinzu kommt als viertes schriftliches Fach Geschichte. Im Mündlichen wird Gemeinschaftskunde, Deutsch bzw. Biologie, die zweite Fremdsprache sowie wahlweise Kunst, Musik oder Physik geprüft.
Warum ist Christian Morgenstern Schule nicht kostenlos?
Als privater Träger müssen wir die Schule über Mitgliedsbeiträge, Spenden und einen Elternanteil finanzieren: ein monatliches Schuldgeld von 150,- € für das erste Kind und jeweils 50,- € für Geschwisterkinder. Dazu ein Gründungszuschlag von 50,- €. Auch Familien, die dies nicht leisten können, versuchen wir den Beitritt zur Schulgemeinschaft zu ermöglichen. Obwohl Schulen in freier Trägerschaft erwiesenermaßen besser wirtschaften als Regelschulen, sind sie auf Elternbeiträge angewiesen. Zwar besteht das Recht auf freie Schulwahl, aber die Zuschüsse der öffentlichen Hand an die Privatschulen sind wesentlich niedriger als die Mittel, die sie für Regelschulen aufwendet. Nachdem die Eltern in Gesprächen die Bedürfnisse der Schule kennen gelernt haben, legen sie ihre Beiträge selbst so fest, dass diese einerseits den Notwendigkeiten des Schulbetriebes, andererseits ihren eigenen finanziellen Möglichkeiten entsprechen. Wir wünschen uns ein Prinzip, bei welchem es nicht notwendig ist, ein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen.
Heißt freie Schule, dass die Kinder dort antiautoritär erzogen werden?
Nein. Lehrerinnen und Lehrer bauen im Gegenteil in der Unterstufe ein von "liebevoller Autorität" geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf. Kinder suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie ihre Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer-Schüler Verhältnis mit der Entwicklung der Heranwachsenden.
Warum haben die Kinder in den ersten acht Schuljahren nach Möglichkeit ein und denselben Klassenlehrer?
In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Klassenlehrer seine Klasse nach Möglichkeit acht Jahre lang durch den Hauptunterricht, der die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags in Form von Epochenunterricht umfasst. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.
Kann ein Lehrer in allen Fächern überhaupt qualifiziert unterrichten?
In einer speziellen Waldorf-Ausbildung werden die Lehrer in einem Vollzeitstudium oder auch berufsbegleitend auf die besonderen Erfordernisse des Waldorfschulunterrichts vorbereitet. Klassenlehrer unterrichten jeden Morgen in den ersten beiden Schulstunden jeweils ein Fach über mehrere Wochen (Epochenunterricht). Danach übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Sport, Fremdsprachen, Eurythmie, Religion/Ethik, Musik und den handwerklichen Fächern. In der Unter- und Mittelstufe geht es an der Freien Schule nicht nur um die Fülle reinen Fachwissens, sondern darum, dass die Schüler eine lebendige Beziehung herstellen zu dem, was sie lernen, was sie sind und was sie in der Welt erleben.
Was ist unter Epochenunterricht zu verstehen?
In den ersten beiden Stunden eines Schulvormittags behandeln die Lehrer ein Stoffgebiet in Epochen über mehrere Wochen hinweg. So haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jeden Tag zwei Stunden Geschichte, dann wieder drei Wochen lang zwei Stunden Mathematik, usw. Sie können sich auf diese Weise intensiv mit einem Stoffgebiet verbinden. Grundfertigkeiten wie etwa Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übestunden.
Worin unterscheidet sich unsere Freie Schule überhaupt von anderen Schulen?
Wir wollen verstandesmäßige, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen gleichmäßig entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen unsere Schüler zwei Fremdsprachen. Jungs und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen gemeinsam im Werkunterricht. In der 8., 11. und 12. Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein — das der 11. Klasse in einer der Fremdsprachen. In großen Jahresarbeiten setzen sie sich darüber hinaus mit einem Thema ihrer Wahl intensiv in Theorie und Praxis auseinander.
Wie werden die Jugendlichen in der Oberstufe auf die Berufswelt vorbereitet?
Während der Oberstufe werden die Schüler in allen Fächern von Fachlehrern unterrichtet. Die handwerklichen Fähigkeiten, die sie sich über die gesamte Schulzeit hinweg aneignen können, werden von der 8. Klasse an durch mehrere Praktika ergänzt: In einem Landwirtschafts- und einem Forstpraktikum, einem Technikpraktikum, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine ausgesprochen lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei liegt der eigentliche Sinn der Praktika nicht nur in einer eventuellen Berufsfindung, sondern im Einüben sozialer und persönlicher Fähigkeiten.
Kommt die Vorbereitung auf die Abschlüsse nicht zu kurz, wenn an der Schule so viele Praktika stattfinden, wenn soviel Theater gespielt und handwerklich gearbeitet wird?
Erfahrungsgemäß nein. Tatsächlich liegen Schulen wie die Waldorfschulen, was die Abschlüsse betrifft, auf gleichem Niveau mit den staatlichen Regelschulen, meist sogar über deren Durchschnitt.
Wie sieht der Lehrplan der Christian Morgenstern Schule konkret aus?
Unser Lehrplan ist behördlich geprüft und bis in die Oberstufe durchgeplant. Er wird zurzeit aktualisiert, um unser Konzept der "Freiarbeit" zu integrieren. Hier kann unser bisheriger eingesehen werden, der "neue" folgt baldmöglichst. (PDF Acrobat Reader erforderlich).
Werden die Kinder an der Christian Morgenstern Schule weltanschaulich unterrichtet?
Unsere freie Schule ist konfessionell nicht gebunden. Zunächst entscheiden die Eltern, ob- und welchen Religionsunterricht ihr Kind besuchen soll. Später entscheiden die Jugendlichen selbst. Die geisteswissenschaftliche Erkenntnisse Rudolf Steiners sind nicht Gegenstand des Unterrichts.
Was hat es mit dem Fach Eurythmie auf sich?
Eurythmie ist eine Bewegungskunst und wird an unserer Schule in allen Klassen unterrichtet — im Wechsel mit gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungsstunden, die völlig frei gestaltet werden können. Dabei soll kein Zwang, sondern Begeisterung vorherrschen.
Welche Rolle spielen Naturwissenschaften in unserem Waldorfunterricht?
An unserer Schule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichwertig und mit effektiver Qualitätskontrolle neben allen anderen Unterrichtsfächern.
Wie steht die Schule zum Umgang mit dem Computer?
Das Fach Informatik ist fester Bestandteil des Lehrplans. Die Pädagogen legen jedoch Wert darauf, dass sich die Kinder, bevor sie die virtuelle Welt kennen lernen, mit der natürlichen Welt vertraut machen und ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten an ihr entwickeln. In der Oberstufe ist der Umgang mit verschiedener Soft- und Hardware für jeden Schüler eine Selbstverständlichkeit.

