Die Grundlagen unseres Unterrichts

Das pädagogische Konzept der Christian Morgenstern Schule

Die Christian Morgenstern Schule Hamburg ist eine Schule in freier Trägerschaft (Verein) mit einem eigenständigen praxisnahen Lehrkonzept, das auf den menschenkundlichen, pädagogischen und sozialen Erkenntnissen Rudolf Steiners beruht und in welcher unsere Lehrer und Erzieher gleichzeitig neue und zeitgemäße Didaktik umsetzen.

Pädagogisches Handeln steht in unmittelbarer Verantwortung für die Entwicklung eines Menschen. Wir lassen alle Kräfte und Fähigkeiten unserer Schüler — die körperlichen, intellektuellen und die sozialen — mit genügend Zeit reifen, um so ein gesundes Fundament für eine lebenslange Lern- und Leistungsfähigkeit zu legen. Dabei wird jedem Kind die Zeit eingeräumt, die es für seine individuelle Entwicklung braucht.

Für eine nachhaltige Gesamtbildung plant die Christian Morgenstern Schule bis zum Abitur 13 Jahre. Sie ermöglicht nach Vollausbau ebenso alle weiteren staatlich anerkannten Abschlüsse. Dabei werden die Unterrichtsinhalte durch künstlerische, handwerkliche und sprachliche Bildungsangebote bereichert.

Rhythmus und Entwicklungsphasen

Die menschliche Entwicklung vollzieht sich in Rhythmen. Diesem Leitsatz der Waldorfpädagogik folgt auch die Christian Morgenstern Schule. Es gilt die körperliche und seelische Verfassung der Kinder in Einklang zu bringen und zu fördern. In Folge der generellen Beschleunigung, die unser Leben immer mehr prägt, klaffen die verschiedenen Entwicklungsebenen immer mehr auseinander.

Neben dem Bildungsauftrag ist es die Aufgabe der Pädagogik, den Schülern während Ihrer Entwicklungsprozesse kompensierend und harmonisierend zu Seite zu stehen.

Mit Beginn der Schulzeit erleben die Schüler ihre Welt vor dem Hintergrund von Gedächtniskräften, Phantasie und Denkvermögen. Die Lehrer und Lehrerinnen wirken vor dem Hintergrund: Lerne die Welt zu begreifen, es lohnt sich, in ihr zu lernen und zu arbeiten. Die lebendige Darstellung von Inhalten und das miterlebende und „Nach- erlebende“ der Geschichten, die es zum Lernstoff dazu gibt lässt die Schulklasse gerne der „geliebten Autorität“ des Lehrers folgen. Urteilssichere und bei Entscheidungen sichere Lehrer respektive Erwachsene tun dem Kind gut.

Ab der Oberstufe  erlebt der Schüler "seine Welten“ — die innere wie die äußere, die er gedanklich durchdringen möchte. Der Schüler entwickelt Weltinteresse. Urteils- und Kritikfähigkeit geben dem Denken Kontur. Nur dröges Pauken und beziehungsloses Formelwissen treiben den Schüler, weg vom Interesse, den profanen Dingen z. B. unserer eher belanglosen Medienwirtschaft zu.

Selbständiges Denken und Handeln in wachsender Eigenverantwortung wollen aber entwickelt werden. Hier setzten Fachwissen des Lehrers und seine Begeisterungsfähigkeit gleichermaßen an: Lerne die Welt zu verstehen, gestalte sie selbst und entdecke die Kunst in den Naturwissenschaften, entdecke die Kunst als Triebfeder der Erneuerung und entdecke das Team, die soziale Kompetenz und die Empathie um Dinge zu verändern und voran zu treiben.

Unterricht in Epochen

Täglich in den ersten zwei Schulstunden (nach einer Eingangsphase zwischen 8:00 und 8:30) beginnt für alle Schülerinnen und Schüler der Hauptunterricht um 8:30 und dauert bis 10:15 Uhr. Über 3 bis 4 Wochen hinweg behandelt der Klassenlehrer den Lehrstoff im Rahmen von so genannten Epochen (beispielsweise Schreib-, Lese- oder Rechenepoche). Diese intensiven und kontinuierlichen Lehr- und Lernphasen machen es den Schülern möglich, alle Phasen des sinnvollen und tief greifenden Lernens zu durchlaufen: vom Wahrnehmen über das Verstehen zum Üben bis hin zum Verinnerlichen. Man lässt sich besser auf eine Beschäftigung ein, wenn man sie täglich intensiv trainieren kann (— und könnte sich ab der ersten Klasse bereits vorstellen, wie später ein Studium funktioniert: Epochen, die nur etwas länger dauern und von denen auch mal mehrere parallel stattfinden dürfen...). Darüber hinaus wird der Stoff in fortlaufenden Übstunden und in der „Freiarbeit” gefestigt. Dabei streben die Lehrer danach, die einzelnen Stunden „erziehungskünstlerisch” zu gestalten. Das heißt, die jeweilige Stunde soll ein künstlerisches Werk sein, das im Verbund zwischen Schülern und Lehrer.

Hausaufgaben & klassenübergreifendes Lernen

In den unteren Klassen sind Hausaufgaben kein fester Bestandteil des Unterrichts. Gelegentlich wird etwas in der Schule Begonnenes zu Hause vollendet. Der meist altersgleiche Klassenverband bleibt während der gesamten Schulzeit im Wesentlichen bestehen. Gleichzeitig wird in vielen Fächern, soweit möglich, ein klassenübergreifendes Lernen gewünscht. Deshalb werden, nach pädagogischer Absprache, die klaren Zeitschienen der Stundenpläne auch einmal bewusst durchbrochen, um einzelnen Fächern, Projekten und Lerngruppen gerecht zu werden und mehr Dynamik zu verleihen.

Musik, Tanz und Eurythmie

Von der ersten Klasse an erhalten die Kinder eine musische Erziehung. Alle Schülerinnen und Schüler lernen Flöte zu spielen, so dass sich jedes Kind an einem Instrument entwickeln kann. Darüber hinaus können die Kinder ab der dritten Klasse ein Orchesterinstrument ergreifen, so dass sich Schüler, Lehrer und Eltern über die häufigen Auftritte des Unter-, Mittel- und Oberstufenorchesters freuen können. Wer kein zusätzliches (Orchester-) Instrument spielt, wird mit der Blockflöte integriert. Tägliches Singen und die Stimmübungen stärken die Musikalität der Kinder. Chor und Orchester lehren sie, andere wahrzunehmen, Rücksicht zu nehmen und zugleich selbst ihr Bestes zu geben. Die Christian Morgenstern Schule Hamburg sieht in der Förderung der künstlerischen Beweglichkeit des Körpers eine der besten Grundlagen für die Entwicklung geistiger Beweglichkeit. Deshalb sind Tanz und Eurythmie grundlegende Bestandteile des Unterrichts.

Besonderer Förderbedarf

Die Christian Morgenstern Schule als eine auf waldorfpädagogischer Basis arbeitende Schule versteht sich als Schule für Kinder und Jugendliche aller allgemein bildenden Schularten. Seit dem Schuljahr 2010/2011 haben wir ausgewiesenes Fachpersonal für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf. Die Schülerinnen und Schüler aller Klassen schließen die Kinder selbstverständlich und gerne in ihre Gemeinschaft mit ein und freuen sich über einen noch breiter angelegten Erfahrungsaustausch.

Beurteilungen ja, Noten nein - Zeugnisse als Entwicklungshilfe

Noten werden an der Christian Morgenstern Schule Hamburg nur bedingt und in der Oberstufe zusätzlich zum Schriftzeugnis gegeben. Dieses Zeugnis charakterisiert die Entwicklung der Schülerinnnen und Schüler individuell, Stärken und Schwächen werden aufgezeigt und Hinweise für ein sinnvolles und effektives Weiterlernen gegeben. Das Zeugnis am Ende des Schuljahres umfasst unter Umständen mehrere Textseiten.

Sprechen, Fremdsprachen und bildende Künste

Sprachen und Sprechen werden an der Christian Morgenstern Schule Hamburg als Ausdruck von Kultur verstanden. Den Kindern werden schon in den ersten Wochen ihrer Schulzeit Sprachen lautmalerisch näher gebracht. In den unteren Klassen wird dem gemeinsamen Rezitieren von Gedichten und Reimen mit besonderem Augenmerk auf Sprachrhythmus und der richtigen Sprachmelodie genau so viel Wert zugestanden wie der Grammatik und dem Wortschatz. In den höheren Klassen wendet sich der Schwerpunkt dann hin zu den lyrischen, epischen und dramatischen Texten. Der Umgang mit der Sprache wird differenzierter. Von Anfang an unterrichten wir Englisch und Spanisch. Dank den noch vorhandenen Nachahmungskräften der Kinder fällt ihnen hier das Einfühlen in die fremde Sprache besonders leicht, was sich am deutlichsten in den für Deutsche ungewohnten Lauten der jeweiligen Fremdsprache zeigt — nach kurzer Zeit gelingt den Kindern problemlos das englische "th" und das spanische, vorne gerollte "rr". Zudem werden die Sprachen im Kontext anderer Fächern gelehrt: Das Üben alter Kultursprachen wie Altgriechisch und Latein wird in bestimmten Altersstufen als Projekt mit den entsprechenden geschichtlichen Inhalten verbunden.
In den unteren Klassen hat das zeichnerische und malerische Gestalten einen großen Stellenwert: Das bildhafte Vermitteln des Lehrstoffes macht ihn anschaulich und hilft, zu verinnerlichen. Das Gestalten mit Ton, Holz, Stein, Papier, Farben, Metall und anderen Werkstoffen begleitet einen Schüler der Christian Morgenstern Schule über die gesamte Schulzeit.

Religionsunterricht

Die Christian Morgenstern Schule Hamburg ist keine Weltanschauungsschule. Sie ist konfessionell nicht gebunden. Die Eltern bestimmen, ob ihre Kinder zusätzlich einen konfessionellen, mit einem von ihnen bestellten Religionslehrer, Religionsunterricht besuchen, dem die Schule bei Bedarf, außerhalb der Unterrichtszeit, Räume zur Verfügung stellen kann.

Regelmäßige Zusammenkünfte und Feiern

Unsere Quartalsfeiern bieten Schülern die Möglichkeit, einander und der Öffentlichkeit Beispiele aus den Lernprozessen und ausgewählte Arbeitsergebnisse zu präsentieren. Auch themenbezogene und jahreszeitlich geprägte Anlässe — Sommerfest, Adventsbasar — sind möglich.

Mitarbeit von Schülern und Eltern

Eine weit gehende Mitarbeit der Eltern ist vor allem im Umsetzen und Gestalten unserer mitwachsenden Räumlichkeiten erwünscht.

Lehrplan im Allgemeinen

Die Christian Morgenstern Schule Hamburg orientiert sich nach dem Hamburger Lehrplan für Waldorfschulen. Die eigentliche Waldorfschulzeit endet unseren Zielen gemäß nach der 12. Klasse mit einem Waldorfabschluss. Danach können sich die Schüler in einem 13. Schuljahr auf das Abitur vorbereiten. Zukünftig werden für den Erwerb des Abiturs die gleichen Bedingungen wie an den Hamburger Stadtteilschulen gelten.